Jens Walko - Kunst - Webgalerie bis 2011

VERDUN 1916-
und Kunst gegen den Krieg




Diese 6 Buchstaben stehen für Hunderttausende von Opfern und Toten. Die "Schlacht um Verdun" (Westfront zwischen Deutschland und Frankreich) war 1916 die größte menschliche Tragödie des
1. Weltkrieges (La Grande Guerre, la Première Guerre mondiale).
Am 21.Februar 1916 griffen deutsche Truppen den Festungsgürtel
um die französische Stadt Verdun an.

In der ca. 10 Monate dauernden Schlacht (21. Februar bis 20.Dezember 1916) wurden über 370.000 Franzosen und mehr als 330.000 Deutsche getötet,verletzt oder als vermisst gemeldet.




Oben: Schlachtfeld Verdun 1916, Fumin

Seit meinem ersten Besuch (2007) des heute so friedlich erscheinenden ehemaligen Schlachtfeldes (Le Champ de Bataille
de Verdun) werden die dort erlebten Eindrücke und Gefühle in zahlreichen Kunstwerken verarbeitet.






Die Landschaft des Schlachtfeldes von 1916 im Jahr 2010.
(Link zu den Reiseberichten : Klick auf Foto)

"Verdun-Touren" finden seit 2008 regelmäßig gemeinsam mit
meinen Freunden Arne B. und Rene Reuter statt. Unterhaltsame Reiseberichte der Touren finden Sie auf der umfangreichen Webseite "Verdunbilder" von Rene Reuter.




Die "Schlacht um Verdun" und "Kunst"
- ein unvereinbarer Gegensatz ?


Als im ersten Weltkrieg bei Verdun die erste und bis dahin größte "moderne" technische Materialschlacht der Geschichte der Menschheit stattfand, war dies nicht wie in früheren Kriegen ein Kampf von "Mann gegen Mann". Es war der Einsatz einer anonymen industriellen Vernichtungsmaschinerie bestehend aus Kanonen, Geschützen, Maschinengewehren, Handgranaten, Flammenwerfern, Giftgas und den ersten Kriegsflugzeugen.





Oben : Das Ringen um Verdun, 2011, 47x92cm
Collage/Relief, Jens Walko


Die festgefahrenen Fronten im Stellungskrieg und der massive Granatenbeschuß zwang die Soldaten dazu sich immer tiefer in das Gelände einzugraben. Millionen von Geschossen wurden in sicherer Entfernung zur Front aus dem Hinterland auf die Kampfgebiete abgefeuert. Nicht selten wurden dabei Soldaten auch Opfer des eigenen Artilleriefeuers.

Die Soldaten in den Schützengräben konnten ihren oft nur wenige Meter entfernten Feind im gegenüberliegendem Graben nicht sehen. Den Anflug der Granaten konnte man zwar deutlich hören, aber es war nicht erkennbar wo sie abgefeuert wurden. Ständiger Beschuss aus der Luft, bestialischer Gestank von Leichen, die nicht begraben oder geborgen werden konnten, knietiefer Matsch und Schlamm in den Gräben und in den umliegenden Granattrichtern, tödliche Giftgasschwaden und eine massenhafte Ausbreitung von Ratten, Läusen und anderem Ungeziefer sowie eine allgemein schlechte Versorgung in den Gräben demoralisierten die Menschen.

Soldaten kamen aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Auch namhafte Künstler waren Kriegsteilnehmer im 1.WK
und verarbeiteten die Kriegseindrücke bzw. Erlebnisse z.T. eindrucksvoll in Ihrem Werk (z.B. Otto Dix in Flandern (1891-1969)).

Manche Künstler ereilte leider ein anderes Schicksal, sie
wurden Opfer dieses Krieges, z.B. August Macke (1887-1914) und Franz Marc (1880-1916). Letztgenannter war am 04. März 1916 bei Verdun gefallen.


27. Februar 16

"...nun sind wir mitten drin in diesem ungeheuerlichsten aller Kriegstage. Die ganzen französischen Linien sind durchbrochen. Von der wahnsinnigen Wut und Gewalt des deutschen Vorsturmes kann sich kein Mensch ein Begriff machen, der das nicht
mitgemacht hat. Wir sind im wesentlichen Verfolgungstruppen. Die armen Pferde! Aber einmal musste dieser Moment ja kommen, in dem alles eingesetzt wird; aber dass es gelang (und es wird sicher noch weiter gelingen) und zwar gerade am stärksten Punkt der französischen Front : VERDUN, - das hätte niemand geahnt, das ist das Unglaubliche..."



Auszug aus einem Brief von Franz Marc,
gefallen am 04. März 1916.

Quelle : "Briefe aus dem Felde", Franz Marc, List Verlag München 1966






Oben : Verdun-Kreuz. Herausgegeben vom "Ehrenbund der Verdunkämpfer" zur Erinnerung an die überstandene Schlacht des 1.Weltkrieges bei Verdun. Diese "Erinnerungskreuze" wurden vom Teilnehmer selbst besorgt und bezahlt. Es war keine staatliche Auszeichnung. Es ist ein versilbertes Malteserkreuz aus Buntmetall mit aufgelegtem Mittelschild. Die Arme des Kreuzes sind am Rand schwarz emailliert und silbern eingefasst. Die Innenseiten sind weiß emailliert. Oben befindet sich eine Öse mit kleinem Ring und dem Bandring. Das Band fehlt bei diesem Exemplar. Auf der glatten Rückseite ist der Hersteller eingestanzt : " FLECK & SOHN HAMBURG 3" Aufschrift Vorderseite: "Verdun 1914 1918" .
Foto © Collection WART Germany


Rund um das zentrale Schlachtfeld bei Verdun ist der längst vergangene Krieg durch die in der Landschaft verbliebenen "Narben" noch allgegenwärtig sichtbar.


Auch heute noch ergreift den Besucher beim Durchschreiten dieser Landschaft ein seltsam bedrückendes Gefühl. An der Oberfläche der Böden treffen Besucher immer noch auf verrostete Metallsplitter der Schlacht. Beim Anblick der mit Gräben durchzogenen Trichterlandschaft offenbart sich die Sinnlosigkeit des anonymen Sterbens im "Niemandsland" zwischen den damaligen Fronten. Nach Ende der Verdunschlacht im Dezember 1916 wurde der deutsche Angriff auf die Lage der Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Nach 10 Monaten Stellungskrieg und 200.000 Toten war der Frontverlauf nahezu wieder identisch mit den Frontlinien vor Beginn der Schlacht.



Oben : Verdun, Ravin du Helly, 2011, 40x44 cm,
Collage/Relief, Jens Walko



Die Soldaten in den Schützengräben stellten an ruhigen Tagen
aus Munitionsteilen, Munitionsresten und Kriegsschrott(z.B. Granathülsen, Granatsplitter)kleine Kunstwerke und Andenken her. Bekannt sind diese unter den Begriffen "Grabenkunst", "l'artisanat de tranchée" oder "trench art". Dazu gehörten u.a.
Feuerzeuge, Vasen, Briefbeschwerer, Brieföffner, Spielzeug, Pfeifen, Ringe, Zigarettendosen, Aschenbecher, Kerzenhalter und verzierte Messer.



L'artisanat de tranchée : Französisches Feuerzeug mit beidseitiger Karikatur des Kronprinzen Wilhelm von Preussen, Vorderseite lächelnd mit Inschrift "Paris", Rückseite weinend mit Inschrift "Verdun". Links: Zum Vergleich eine Fotografie des Kronprinzen aus der Zeit um 1916. Fotos © Collection WART Germany


"Krieg" und "Kunst"
sind zwar Gegensätze, aber beides gehört doch untrennbar zusammen. Die künstlerische Betätigung, wenn auch nur das Herstellen von naiven und einfach gestalteten Objekten, ermöglichte es so manchem Soldaten sich während Gefechtspausen vom grausamen Geschehen ablenken zu können oder half nach dem Ende des Kriegseinsatzes beim Verarbeiten der schlimmen Erlebnisse.






Kontrast : Explodierte Granate (links) und Grabenkunst (rechts) eines "Poilus" aus Frankreich, verzierte Granathülse aus Messing (L'art des Poilus), Verdun  1916
Fotos © Collection WART Germany


Unten: L'artisanat de tranchée / trench art / Grabenkunst : Feuerzeug in Form einer
Granate. 
Fotos © Collection WART Germany






LINK ZU walko-art.com,
den neuesten Arbeiten :


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Tipp:

Umfangreiche und sehr interessante Informationen zum
Thema  "Verdun-Fotos vom Schlachtfeld heute"
finden Sie hier :




(Klick auf Button)

               Rene Reuters "Verdunbilder"   www.verdunbilder.de

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Oben: Granaten-Blindgänger, Fotos von 2011. Der Tod lauert auch heute noch
allgegenwärtig auf den ehemaligen Schlachtfeldern von Verdun
.

Bedenkt man was in Verdun vor knapp 100 Jahren geschah, wie viele Menschen diese Schlacht das Leben kostete, wie viele Granaten dort verschossen wurden und was die Menschheit daraus gelernt hat ist man sprachlos. Der 2.Weltkrieg begann 23 Jahre nach der Verdun-Schlacht !



Kunst gegen den Krieg...

Neben Zeichnungen und Gemälden entstehen Collagen und Objekte, die aus verwitterten Materialien zusammengesetzt sind.


Teilweise werden originale Relikte von 1916 in den Kunstwerken verarbeitet, die in der Region um Verdun bei diversen Händlern, auf Flohmärkten und in Internet-Auktionen erworben wurden.
Es gibt einige Bauern in der Gegend, die auch 95 Jahre nach der Schlacht immer noch "Kriegsschrott" auf ihren Feldern finden und sich gerne und bereitwillig von dem ungeliebten "Unrat" trennen.

Auch fast 100 Jahre nach Ende der Kämpfe gibt es noch immer einen lebhaften Handel mit Originalgegenständen aller Art. Das zeugt davon welch gewaltige Materialschlacht 1916 in Verdun tobte.

Ähnlich wie beim "Treibholz und Treibgut" zeigen diese Materialien  deutliche "Spuren der Vergangenheit"

Ein wichtiges gestalterisches Element ist der Kontrast von verwitterten Flächen neben farbig behandelten Flächen.
Ausser den erdigen Farbtönen (Kälte und Tod )gibt es auch leuchtende Farben (Feuer und Leben), die bewußt sparsam und
oft nur punktuell eingesetzt werden.

Eine insgesamt "archaische Anmutung" der Kunstwerke ist gewollt.

Alle Arbeiten entstehen ausschließlich im Atelier, d.h. vor Ort wird viel fotografiert, Überlegungen und Entwürfe werden skizziert.



Siehe auch (interner Link) : DER 1.WK UND KUNST


Heute...


Fotografische Momentaufnahmen vom Schlachtfeld bei Verdun heute (2008,2009, 2010 und 2011, Klick auf Fotos) :






Unten : Art-Foto Collage "Verdun heute (2008 + 2009)"
Fotos © Jens Walko





Im Folgenden werden Collagen, Objekte, Gemälde und
Zeichnungen zum Thema "Verdun" und Arbeiten von
echten Zeitzeugen (Kriegsmalern)von 1916 präsentiert.






Oben : Gas ! Gaz ! Objekt 75cm, Jens Walko 2011






Concrete Art 1 + 5, "Im Feld 16" und "Obus" 2011, 20x20cm



Oben: Die Schlacht von Verdun in der französischen Presse : "Excelsior" -Journal Illustré Quotidien vom 25.Mai 1916
"Trois aspects du fort de Douaumont" und vom 10.Juni 1916
"Après l'heroique défense du fort de Vaux".
Beide Forts stehen im Zentrum des Kampfes um Verdun zwischen
den deutschen Angreifern und den französischen Verteidigern.
Unten: Kartenausschnitt mit der Lage der beiden Forts im zentralen Schlachtfeld. (Quelle: "Excelsior" vom 2.April 1916)








Schlachtfeld 2010,  Art-Foto Jens Walko



VERDUN- Images de guerre 1916


Karikaturen aus dem Buch "Verdun Images de Guerre" von "John Grand-Carteret",

Librairie Chapelot- Paris. Ein extrem seltenes Buch von 1916, Auflage nur 3000 Stück.
Inhalt : Sammlung von Karikaturen der französischen und alliierten Presse 1916
zum Thema Verdun.




Einige Beispiele :

















































Verdun 1916 und heute, Acryl auf Holz, Jens Walko,je 60x56cm,2007





Oben : "Schlachtfeldskizzen" nach alten Originalfotos von 1916,
Bleistift/Papier, Jens Walko 2009, "Douaumont"; "Granateinschlag";"Gas";"Vor dem Sturm";"Im Wald";"Schlachtfeld"







Französische Zünder der 75mm Artillerie-Granaten.
Foto © Collection WART Germany






Oben : Foto-Collage: Relikte des Wahnsinns © Jens Walko 2009





"1916", Acryl + Karton, Jens Walko, 30x40 cm, 2009





"Verdun 1916", Acryl, Treibholz auf Karton,
Jens Walko, 65x85 cm, 2009








Verdun - Des Champs De Bataille, 2010, Collage ca. 40x50 cm,
Jens Walko






Links : Spuren einer Schlacht, 2010, Collage ca. 35x55cm
Rechts: Verdun - Ravin de la mort, 2010, Collage ca. 45x60cm,

Beide Collagen von Jens Walko






Zeitzeuge: "Vor Verdun". Öl auf einer Baumscheibe. Kunstwerk des Riedlinger Künstlers Anton Denzel (1888-1962). Bedeutender Kriegsmaler im 1. Weltkrieg. Darstellung:
Blick vom oberen Wall der Ouvrage Hardaumont auf die Trümmer des Dorfes Vaux und im Hintergrund der Vauxberg. Im Vordergrund verendete Pferde.
Foto © Collection WART Germany






Oben : L'ennemi devant Verdun, Collage, Jens Walko, 40x50cm, 2010

Es ergreift einen eine gewisse Fazination, zugleich ein Gefühl von großer Betroffenheit und Fassungslosigkeit wenn man sich im Bereich der ehemaligen Schlachtfelder auf den Spuren der Vergangenheit bewegt.



Unten : Symbolismus: "Schlachtfeld mit Regenbogen".
Verdun aus der Sicht eines Zeitzeugen:
Mischtechnik des Karlsruher Künstlers
Richard Lange (1893-1958), 43,5 x 61cm.
Teilnahme am 1. Weltkrieg als Unteroffizier im Badischen Leibregiment.
Darstellung: Vermutlich die Festung "Douaumont".
Foto © Collection WART Germany








Oben : Bekannter Schlachtenmaler des 1. WK :
"Französischer Gegenangriff bei Verdun 1916", Aquarell auf Papier, ca. 22x37cm,
Hermann Sattler (1892-1945), datiert 28.05.1916.
Foto © Collection WART Germany



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